Das Jahr 2020 brachte erneut Herausforderungen ganz besonderer Art: nachdem man mir in dem Fährverein (den ich jahrelang von finanziellen Verlusten freigehalten und im Grunde damit am Leben erhalten habe) den Stuhl vor die Tür gestellt hatte, musste ich nun zusehen, wie ich die Zeitschrift alleine weiterführen konnte. Dazu kam dann auch noch, dass der Vereinsvorstand die jahrzehntelang in meinem Besitz befindliche Zeitschrift FERRIES für sich selber bzw. den Verein beanspruchte und das auch überall verbreitete. Bisher war die Zeitschrift von einem ganzen Team in Gemeinschaftsarbeit zusammengestellt worden, die mir schlagartig aber nicht mehr zur Verfügung standen. Dummerweise sind sämtliche Mitarbeiter dieses Teams den andauernden Falschinformationen des Vereinsvorstandes aufgesessen und nicht wenige beschuldigten mich auch weiterhin, mir die Zeitschrift unberechtigterweise angeeignet zu haben. Um sich "langwierige, rechtliche Auseinandersetzungen um die Besitzverhältnisse zu ersparen", hatte der Verein aber schließlich beschlossen, einfach nur den Namen der Zeitschrift zu verändern und alles andere beizubehalten. Dabei hat es niemanden interessiert, dass viele für die Zeitschrift charakteristischen Merkmale seinerzeit von mir erdacht worden sind - da wurde einfach munter kopiert und angeeignet ohne jegliches schlechtes Gewissen. Auch die Bitte um Aushändigung der Dateien zur Erstellung der Zeitschrift (also im Grunde mein Eigentum), wurde von Seiten des Vereinsvorstandes abgelehnt, weil "man keine kommerzielle Publikation unterstützen wolle". Also habe ich mich in mühevoller Kleinarbeit daran gemacht, die notwendigen Druckdateien selber zu erstellen, um die Zeitschrift weiterhin herausgeben zu können.
Neben der Arbeit an der Erstellung der Zeitschrift näherte sich ein anderes wichtiges Datum: meine Pensionierung! So gern ich doch bei der Marine war, so sehr freute ich mich trotzdem auf die baldige Zurruhesetzung. Eine Abschiedsfeier war bereits organisiert: Location klargemacht, Getränke besorgt, Essen bestellt, Einladungen geschrieben usw. Dann geschah aber etwas, womit wohl niemand gerechnet hatte: Im Januar und Februar 2020 häuften sich plötzlich die Meldungen über ständig zunehmende Covid 19-Infektionen, die sich schließlich zu einer Pandemie ausweiteten. Das hatte nicht nur erhebliche Folgen für die weltweite Gesundheitslage, sondern brachte in der Folge auch die internationale Fähr- und Passagierschifffahrt nahezu komplett zum Erliegen. Aufgrund der ausgerufenen Sicherheitsbestimmungen war dann auch ein geregelter Dienstbetrieb nicht mehr möglich und jegliche Art von Festivitäten schlagartig verboten. Somit fiel dann auch meine geplante Abschiedsfeier der Corona-Krise zum Opfer. Ich schaffte es gerade noch, die zur Entlassung notwendigen Untersuchungen und Papiere zusammen zu bekommen und ging am letzten Freitag vor dem Entlassungstermin nach Hause - einfach so... Keine Musterung, keine Verabschiedung, keine Urkunde, keine Feier - nichts. Mehr als 32 Jahre bei der Marine waren sang- und klanglos einfach so vorbei. Zumindest hatte ich schlagartig sehr viel Zeit und konnte mich fortan der Erstellung der Zeitschrift FERRIES widmen - was dann auch gelang.
Nach einer FERRIES-"Notausgabe" im März 2020, konnte ich die Anzahl der Seiten auf 60 erhöhen und schaffe es bis heute, diese jedes Quartal zu füllen. Zu meinem großen Glück hat sich im Laufe des Jahres ein Leser bereit erklärt, an der Erstellung der Zeitschrift mitzuarbeiten. Diese Arbeit hilft mir bis heute ungemein und ich bin absolut dankbar, dass ich so eine große Hilfe gefunden habe. Das ganze ist natürlich ehrenamtlich, denn nach Wegfall von 70 % meiner Leserschaft, ist die Zeitschrift leider wieder ein absolutes Zusatzgeschäft - so wie es auch schon früher war... Da ich anfangs viel zu viele Zeitschriften drucken lassen musste, habe ich mich entschlossen, die nicht benötigten Exemplare einfach zu verschenken. Also habe ich zahlreiche davon auch an die alten Leser verschickt, in der Hoffnung, sie würden sich darüber freuen. Aber das Gegenteil war der Fall: diese Aktion führte zu einem Shitstorm sondergleichen. Ich wurde beschuldigt, unerlaubte Werbung zu verschicken und es wurde mit rechtlichen Konsequenzen gedroht, wenn ich so etwas wiederholen sollte. Eine Beilage in den verschenkten Heften sollte darauf aufmerksam machen, woher das Geschenk kam. Das führte aber zu weiteren Bedrohungen, weil ich mich angeblich mit dem Schreiben als Fährverein ausgegeben und mir so Abonnements erschleichen würde. Dass diese Schreiben ursprünglich von mir entworfen und unberechtigterweise vom Fährverein einfach weiter genutzt wurden, hat aber niemenden interessiert. Dummerweise gab es tatsächlich zwei wohl etwas verwirrte Personen, die ungefragt einfach den Abobetrag auf mein Konto überwiesen haben, obwohl ich explizit darauf hingewiesen habe, dass die Zeitschriften ein Geschenk waren. Als diese Personen die Fehlüberweisung mitbekamen, gab es ein Riesentheater: ich würde unter Vorpielung falscher Tatsachen Zahlungen eintreiben und den Leuten ungewollte Abonnements aufzwingen usw. Selbstverständlich habe ich diese nicht erwünschten Zahlungen zurücküberwiesen und es mir verkniffen, auf die Dusseligkeit der Leute hinzuweisen. Kurz danach bekam ich noch mal ein unschönes Schreiben des Bundesdatenschutzbeauftragten, wo eines der von wem auch immer aufgehetzten Mitglieder wohl Anzeige erstattet hatte. Weil völlig haltlos, verlief das Ganze natürlich im Sande und warf letztendlich nur ein schlechtes Licht auf den Umgang des Fährvereins mit seinen Mitgliederdaten. Zum Glück gab es aber auch einige positive Rückmeldungen, wobei die entsprechenden Personen bemängelten, dass sie vom Vereinsvorstand niemals über die wahren Begebenheiten der Trennung und der Besitzverhältnisse der Zeitschrift aufgeklärt worden seien. Bei einer folgenden Vereinsversammlungen hatte sich der Vorstand wohl verbeten, das Thema überhaupt anzusprechen - so wurde mir zumindest berichtet. Also wissen die meisten Vereinsmitglieder wahrscheinlich bis heute nicht, was wirklich Sache ist - aber das soll mir nun auch egal sein.
Die Pandemie machte im Sommer 2020 natürlich auch das Reisen nicht einfacher. Von Schweden nach Finnland zu kommen, war teilweise unmöglich und so konzentrierte ich mich halt mal wieder raufs Mittelmeer. In Griechenland und Italien musste man ziemlich sinnfreie Online-Anmeldungen einreichen - sogar für eine Durchreise auf der Autobahn. Da ich grundsätzlich durch ganz Italien und Griechenland fahre, war das natürlich extrem schwierig. Aber letzendlich war es auch egal, weil es eh' keinen interessiert hat - Kontrollen gab es zumindest keine. In Griechenland musste man sich ab 24 Stunden vor der Einreise online anmelden. Bei Flugpassagieren mag es ja noch gehen, sich am Vorabend des Abfluges anzumelden, aber wenn man schon zwei Wochen unterwegs ist und sich die Nacht vor der Einreise auf einer Fähre befindet, wo es 2020 noch kein mobiles Internet gab, ist das natürlich schwierig. Im Hafen von Igoumenitsa gab es damals wohl schon ein 4G-Netz, wie ich später erfahren habe - da mein Telefon und das einiger anderer Mitreisenden nur 3G empfangen konnten, war es diesen Leuten natürlich nicht möglich, sich online anzumelden. Also standen wir da im Hafen und konnten nicht raus. Zwei Stunden später waren die Schalter der Hafenpolizei mangels weiterer Fähren aber nicht mehr besetzt und ich habe mir dann selber die Einreise genehmigt - ohne Kontrolle. Soweit zur Bürokratie... Letztendlich konnte ich alle meine Fotos machen und alles war halb so schlimm.
Hier ist das Fotoergebnis des Jahres 2020 in alphabetischer Reihenfolge: (wird noch ergänzt)